Nürnberg ist eine Trümmerwüste, die einst stolzen Industriebetriebe stehen leer. Das ist keine Horrorszenario für die Zukunft, sondern ein alternativer Blick in die Weltgeschichte und Thema des Romans „Number Man“. Doch das Deutschland des Buches ist nicht das Land, das wir aus den Geschichtsbüchern kennen. Die Amerikaner haben Deutschland gemäß dem Morgenthau-Plan in ein Agrarland verwandelt. Diesen Plan gab es tatsächlich, seine Umsetzung stand aber niemals längere Zeit ernsthaft zur Debatte (vgl. dazu "Der Plan")

Ein fast historischer Kriminalroman

Man kann Number Man auch einfach nur als Krimi lesen. Ein Mann wird in der Nähe eines kleinen Dorfes südlich von Nürneberg ermodert. Sein Tod bedroht auch das Dorf und seine Menschen, den das Opfer ist nicht nur Amerikaner, sondern auch KZ-Überlebener. Er kam mit einer Gruppe von Aussteigern, die im industrielosen Deutschland eine Alternative zu ihrer Heimat Amerika sehen. Die Dorfbewohner nennen sie "Spinner", sie selbst bezeichnen sich als Hippies. Es ist das Jahr 1963. 

Der neue Pfarrer, ein amerikanischer Missionar mit deutschen Wurzeln macht sich daran, den Fall aufzuklären. Dazu spricht er mit den Menschen im Dorf, lernt ihre Geschichten kennen und erfährt viel über das Land und den Morgenthau Plan.

Alternative Weltgeschichte

In dem Buch wird ein Szenario entworfen, wie die Region Nürnberg aussehen könnte, wäre der Plan doch umgesetzt worden. Der Leser folgt dem Ermittler in die provisorisch wieder aufgebaute Altstadt, in die weitgehend verlassene Südstadt und ins Umland, in das der größte Teil der Nürnberger umgesiedelt wurde. Dabei stehen der Kriminalfall und die Beschreibung dieses anderen Nürnberg gleichberechtigt neben einander.

Legendenumwobener Morgenthau-Plan

Ein alter Mann hat mir einmal bei einem Schafkopfturnier berichtet, in russischer Kriesgefangenschaft gewesen zu sein. Seine Einschätzung dazu war: "Wenn man bedenkt, was wir angestellt haben, sind wir eigentlich nicht schlecht behandelt worden".

Nun sind sicher nicht alle russischen Kriegsgefangenen so vergleichweise gut davon gekommen. Aber zu einem ähnlichen Ergebnis muss man kommen, wenn man die deutsche Geschichte betrachtet. Eigentlich ist das Land trotz Bombardierungen, Hunger und Vertreibung gut davon gekommen. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum der Morgenthau Plan in vielen Köpfen noch so lebendig ist. Er erscheint angesichts der deutschen Greultaten nicht so abwegig.

Mich hat der Plan nicht zuletzt wegen seiner düsteren Atmosphäre interessiert und wegen des tiefen Umbruchs, den er für die Menschen gebracht hätte.

Im Buchhandel und als eBook erhältlich

Besonders spannend düften deshalb die Freunde von Alternativgeschichte das Buch finden. Daneben aber auch Nürnberger, die ihre Stadt in dem Buch wiederentdecken - oder besser gesagt nicht wiederentdecken. Und natürlich alle, die gerne Krimis lesen.

Erschienen ist das Buch im Engelsdorfer Verlag in Leipzig. Es kostet 12,95 Euro und ist im regluären Buchhandel erhältlich. Natürlich auch online bei Amazon, Bücher.de, Libri.de, Buch Lätzig und Anderen.

Mittlerweile gibt es Number Man auch für 6,99 Euro als eBook, z.B. bei beam-ebooks oder Bücher.de.